Bild 1: Volkswagen 1949

Seniorengerechte Bedienung im Automobil

Früher gab das Armaturenbrett eines Automobils wenig Rätsel auf: Je ein Schalter für den Fahrtrichtungsanzeiger, den Scheibenwischer und das Licht, dazu eine Geschwindigkeitsanzeige und ein paar Kontrollleuchten, das war alles (Bild 1).

Bei heutigen Oberklassefahrzeugen kommen mehrere hundert Bedienungsfunktionen zusammen, zu den ursprünglichen Funktionen kamen Fahrerassistenzsysteme (wie z.B. Navigation oder Adaptive Cruise Control), Infotainment, Telefon, Klima und andere Komfortfunktionen hinzu. Diese Funktionsvielfalt kann nicht mehr durch einzelne Schalter oder Drehknöpfe bedient werden. Als Ausweg bietet sich die Verwendung von Menüs an, wie sie von Computern bekannt sind. Allerdings sind Menüs problematisch, wenn die Zahl der Alternativen sehr groß ist. Sie haben dann entweder auf einer Ebene zu viele Auswahlmöglichkeiten oder zu viele Ebenen oder beides. Die Auswahl einer Funktion dauert dann zu lange oder die gewünschte Funktion wird  überhaupt nicht gefunden, weil die Menüstruktur dem Bediener nicht präsent ist. Außerdem erfordert die Auswahl aus Menüs eine Blickabwendung von der primären Fahraufgabe, je länger dies dauert desto stärker ist die Fahrsicherheit gefährdet.

Viele Fahrer wollen sich auch nicht lange mit dem Erlernen der Bedienung des Fahrzeugs beschäftigen: Sie sehen ihr Auto nicht als Spielzeug, das umso schöner ist, je mehr Funktionen zur Verfügung stehen, sondern wollen einfach nur fahren, trotzdem aber auch erforderliche und sinnvolle Zusatzfunktionen nutzen. Dies gilt insbesondere für Senioren.

Da die Zahl der Senioren zunimmt, ist es sinnvoll über Bedienverfahren nachzudenken, die für diesen Nutzerkreis besser geeignet sind. Hier wäre zunächst zu klären, welche Funktionen von dieser Benutzergruppe als sinnvoll erachtet und gewünscht werden. Zur Gestaltung neuer und besser geeigneter Bedienverfahren sind unter anderem folgende Ein- und Ausgabemöglichkeiten in Betracht zu ziehen: 

  • Berührungssensitive Oberflächen zur Eingabe von Gesten, Zeichen und Schrift, 
  • akustische Eingabe von Sprache,
  • neuartige mechanische Eingabevorrichtungen (Beispiel: Dreh-/Drücksteller),
  • akustische Ausgabe oder
  • Head-up-Displays zur Vermeidung von Blickabwendung,
  • Anwählen von Parametrieren von Funktionen durch gebräuchliche Namen.

Rolf Linn, März 2013