Akzeptanz von Sicherheitsgurten in Reisebussen

Projektbeginn: 08/2005

Die europäische Gesetzeslage verlangt das Tragen von Sicherheitsgurten in Reisebussen sowohl für Fahrer als auch für Fahrgäste. Es gibt jedoch keine validen wissenschaftlichen Daten in Bezug auf die Anschnallquote in Reisebussen (im Pkw-Bereich sind solche Erhebungen Standard) und Interventionen zur Anhebung der Quote. Aufgrund des herrschenden Forschungsdefizits wurde diese Studie begonnen. Das geplante Vorhaben umfasst eine Erhebung der derzeitigen Anschnallquote. Nach der Erfassung und Analyse der Basisrate werden verschiedene Interventionen entwickelt und umgesetzt, die zu einer Erhöhung der Anschnallquote führen sollen (wie z.B. sehr deutliche Aufforderung durch den Busfahrer, Infomaterial an den Sitzplätzen). Das Projekt wird von einem regionalen Busunternehmen unterstützt. Der von diesem Unternehmen bereitgestellte Bus wurde an der Hochschule Trier mit Sensoren und einem Datenerfassungssystem ausgerüstet, welches die Sitzbelegung und die Benutzung der Sicherheitsgurte an jedem Sitz erfasst. Das System kann ohne Wissen der Fahrgäste arbeiten und die Daten werden via Mobilfunk abgefragt. Zusätzlich zu dieser Maßnahme geben Befragungen der Fahrgäste mit Hilfe von Fragebögen Aufschluss über die motivationalen Faktoren, Verhaltensmuster, Erfahrungen und Einstellungen zu Sicherheitsgurten. Das genannte Vorgehen wird abschließend evaluiert und es werden Vorschläge unterbreitet, wie die Anschnallquote in der Praxis erhöht werden kann.

Umbau des Omnibusses in der Maschinenhalle der Hochschule-Trier
Verkabelung der Sensoren an den Sitzen
Prinzip der Datenabfrage via GPRS und Internet: Per SMS initiiert wird eine GPRS-Verbindung aufgebaut, die bis hierher gespeicherten Daten (GPS-Information, Datum, Uhrzeit, jeweilige Gurt-/Sitznutzung) werden auf einen Host-Rechner nach Trier übertragen.
Statistisch Auswertung der Daten mittels SPSS
Graphische Auswertung der Daten als Draufsicht (rot = besetzt und nicht angeschnallt, grün = besetzt und angeschnallt).

Neben der Erstellung einer Diplomarbeit (Walkowiak, 2007) wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift für Verkehrssicherheit veröffentlicht (Carstengerdes, Bach, Walkowiak & Wender, 2007), auf mehreren Tagungen und Kongressen vorgestellt (ESV Konferenz, Lyon; Crash.Tech Konferenz des TÜV Süd, Leipzig; VDI Tagung Nutzfahrzeuge, München; National Instruments VIP Tagung, München) und somit einem breiten Fachpublikum präsentiert.

Eine ausführliche Beschreibung des Forschungsvorhabens findet sich in den oben genannten Veröffentlichungen. Zusammengefasst deuteten die Ergebnisse der Untersuchung auf eine sehr geringe Sicherungsquote von ca. 25% in Reisebussen hin.

Als zentrale Ergebnisse der durchgeführten Studie können zusammenfassend zwei Aspekte genannt werden. So zeigte sich, dass zwei Elemente für eine Erhöhung der Sicherungsquote unabdingbar sind. Zum einen müssen ausreichend Informationen über die Sicherungspflicht und die Konsequenzen einer Zuwiderhandlung (gesundheitlich, rechtlich) zur Verfügung stehen (Informationsaspekt). Daher sollten sowohl in Zeitschriften, auf Plakaten, in Funk und Fernsehen, aber auch direkt im Bus ausreichend Informationsmaterialien zur Verfügung gestellt werden. Das zweite notwendige Element einer wirksamen Erhöhung der Sicherungsquote ist eine ausreichend hohe Kontrolldichte, die mit einer zeitnahen und ausreichend hohen Bestrafung des Fehlverhaltens einhergeht (Kontrollaspekt). Nur die Kombination beider Aspekte wird zu einer auch langfristig verbesserten Sicherungsquote in Reisebussen führen. Grundsätzlich ist es zudem notwendig, den Busfahrer in die Verkehrssicherheitsarbeit zu integrieren und ihn zu einem überzeugten und überzeugenden Bestandteil der Verkehrssicherheitskampagnen zur Erhöhung der Sicherungsquoten in Reisebussen zu machen.